DIE SUCHE

Fast ein Jahr war ich auf der Suche nach einem geeigneten Segelboot für eine Ozeanüberquerung. Ein Langkieler sollte es sein. Nicht zu klein, aber doch noch mit kleiner Crew kontrollierbar. Gut in Schuss und idealerweise sogar schon fürs Blauwassersegeln ausgestattet. Am besten aus erster Hand von einem alten reichen Segelopa, der sein Boot für alles ausgestattet hat, und es jetzt an eine neue Generation abtreten möchte.  

Klar, dass das nicht klappt. Ich war kurz davor aufzugeben, als ich im Internet im August 2019 auf eine Hallberg Rassy 41 auf Mallorca traf. 

Zwei Wochen später saß ich mit meinem Vater im Flieger. Ich war von Anfang an vom Riss der HR41 begeistert: Mittelcockpit, Ketch, stabil und meist mit über 2m Stehhöhe. Leider stellte sich heraus, dass das Schiff für jemanden anders reserviert war. 

Niedergeschlagen und genervt flog ich zurück. Seit der Besichtigung auf Mallorca konzentrierte sich meine Suche auf Hallberg Rassy 41.  

DER KAUF

Es gab ein Angebot in Florida, weitere Angebote auf Sardinien und in Rom. Leider war keines der Schiffe in Europa in wirklich gutem Zustand. Das mit Abstand günstigste Angebot war eine HR41 im Ijßelmeer. Kurzentschlossen besichtigte sie mein Vater im Dezember 2019 auf der Durchreise ins Ruhrgebiet. Er schickte mir Bilder und es gab im Gespräch vor Ort keine größeren Probleme. Sicherheit genug für mich, das Boot kaufen zu wollen. Wahrscheinlich auch darin begründet, dass ich keine Lust mehr hatte, weiter zu suchen. Ich wollte segeln. 

Im Dezember 2019 unterschrieb ich eine Absichtserklärung, ohne das Boot jemals gesegelt zu haben. Dafür hatten wir einen Krantermin und ich konnte vor dem Kauf das Unterwasserschiff "untersuchen". Das tat ich mit meinem Vater ohne einen professionellen Gutachter. Ich hatte mir vorab im Internet diverse Osmose-Screening-Techniken antrainiert und Wörter gelernt, um wenigstens einen kleinen Anschein von Expertise zu haben. Im Januar 2020 war der Kauf dann abgeschlossen.

DIE REISE

Im Februar 2020 war es dann Zeit, Civetta nach Deutschland zu verlegen. Neben meinem Vater waren Konrad und Eike die erste Crew. Auf uns warteten 125 Seemeilen entlang der niederländischen und deutschen Nordseeküste bis nach Wilhelmshaven.

Trotz sehr kleiner Segelfläche waren wir schnell unterwegs. Noch schneller waren wir durchnässt und unterkühlt. Die Fahrt dauerte ca. 33 Stunden, die wir ohne Autopilot steuerten. 

Civetta hat dann schon während des Trips bewiesen, dass Windstärken über 6-7 Bft. keine Herausforderung für sie darstellen. 

Seit diesem Trip verstehe ich, warum im Februar kein Segler auf der Nordsee unterwegs ist. 

Zwei Tage nach der Ankunft in Wilhelmshaven kam das Boot zur Werft.  

DAS PROJEKT

Anfangs bestand der Werftaufenthalt aus einem Interieur-Updgrade und neuer Bordelektronik inkl. NMEA 2000. Zwei Wochen später kamen der Motor inkl. Antriebsstrang, der Nasszellen- und Pantry-Umbau und neues Deck hinzu. Bis in den März hinein wuchs die Liste an. Sie umfasst nun auch die Erneuerung aller Borddurchlässe, eine Rumpf- und Tanksanierung, neues Wasser- und Heizsystem und neue Luken. 

Im Endeffekt wird das Schiff nun einem kompletten Refit unterzogen. Der Fortschritt kann sowohl im Blog als auch auf Instagram verfolgt werden.             

 

©2020 Sailing Civetta / Refitting Civetta